Halt hoch das Haupt was dir auch droht und werde nie zum Knechte. Brich mit den Armen gern dein Brot und wahre deine Rechte! Treib nicht mit heiligen Dingen Spott und ehre fremden Glauben und lass dir deinen Schöpfer und Gott von keinem Zweifler rauben.
Sieg oder Spott, folg deinem Gott!



Sonntag, 10. Juni 2012

Grundlegene Runenrituale


Weisst du zu ritzen? Weisst du zu raten? Weisst du zu färben? Weisst du zu fragen?

Jede Rune hat Namen, Form und Klang - oder Bedeutung, Struktur und Schwingung. Runenrituale umfassen am besten alle drei Elemente, z.B. indem wir eine Rune auch singen, wenn wir sie einritzen, oder uns umgekehrt beim Singen der Runen ihre Formen vorstellen. Wenn wir die Runenformen kennen und jederzeit visualisieren können, ist daher der Runengesang (Rúnagaldr) das grundlegende Ritual, das alle Elemente der Runen anspricht.

Da die Runen ihre Kräfte in sich tragen und unabhängig vom Wissen über sie wirken, sind profunde Kenntnisse keine Voraussetzung für Runenrituale. Auch völlige Neulinge können durch Runengesang, Runenmeditation, Runenhaltungen (Stöður) und dem Ritzen, Zeichnen oder Malen von Runen Erfahrungen mit ihren Kräften sammeln – sie werden am Anfang zwar bescheiden ausfallen, aber mit jedem Mal wachsen.


Der Runengesang (Rúnagaldr) 
Spruch- und Gesangszauber (galdr) ist die magische Disziplin der Asen und damit die am engsten mit dem Gott der Runen, Odin, verbundene Form der Magie. Grundsätzlich gibt es zwei Arten des Runengesangs: Man kann die Namen oder die Laute der Runen singen. Beides, Namen und Laute, werden mit lang anhaltendem bzw. in der Länge variierendem Ton gesungen. Tonhöhe und Variationen unterliegen der Inspiration der Sänger.

Singen der Runenlaute
Die Laute allein sind nur ein Teil des Runenklangs (in der Regel der Anlaut, in Ausnahmen wie Algiz und Ingwazder Ablaut bzw. Inlaut), sodaß ein Lautgesang immer auch mit einem Singen der Runennamen verbunden sein soll. Edred Thorsson schlägt z.B. für die Rune Ansuz vor:
ansuz ansuz ansuz 
aaaaaaaa 
aaaassss
aaaa 
aaaaaaaa



Singen der Runennamen 

Das ist die geeignete Form für einen Runengesang im Rahmen eines Blot, für die Anrufung mehrerer Runenkräfte oder zum Singen der ganzen Runenreihe, während sich das Singen der Runenlaute am besten für Runenmeditationen und die Arbeit mit einer einzelnen Rune eignet. Am besten ist es, jede Rune dreimal zu singen. Bei der ganzen Runenreihe erfordert das eine relativ lang anhaltende Konzentration, die eine gewisse Erfahrung mit Runen voraussetzt. Im allgemeinen wird die altgermanische Runenreihe (älteres Futhark) mit 24 Runen verwendet, die traditionell in drei Geschlechter (Ættir) eingeteilt werden.

Magie der Runen

Ein wenig Magie in dieser vernünftigen rationalen Zeit schadet nicht, wenn sie mit guten Vorsätzen und Wünschen ausgeführt wird. Sie ist kein Allheilmittel, kann aber den Alltag bereichern und uns durch Konzentration auf unsere Probleme dazu verhelfen, klarer zu sehen. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle ob es sich um Runen- oder Kerzenrituale, Horoskope oder Voodoo -Energie handelt. Wichtig scheint allein der Glaube an die Kraft einer mit Liebe und Bewusstheit ausgeführten Handlung zu sein.



Runenmagie wird im Allgemeinen eine heilende und stärkende Kraft zugesprochen. Sie wird hauptsächlich in unterstützender Form angewendet.

Nur ein sehr erfahrener Runenheiler, der zudem über gute botanische wie medizinische Kenntnisse verfügt, sollte Runen als Hauptheilverfahren einsetzen. Als Anfänger mag es genügen, sich möglichst konzentriert und bewußt auf das gewünschtes Ritual vorzubereiten und sich im Vorfeld so intensiv wie möglich damit zu beschäftigen. So wird man als Neuling mit Sicherheit nicht die gesamte Kraft der Rune nutzen können, ist jedoch vor eventuell freiwerdenden negativen Kräften geschützt.


Jede einzelne Rune besitzt mehrere Entsprechungen und kann vielseitig verwendet werden. Auch Körperhaltung und Handstellung spielen beim Ritual eine Rolle. Sie können die Wirksamkeit erhöhen.



Um eine besonders konzentrierte Wirkung der Runen zu erhalten, besteht auch die Möglichkeit, sich einer sogenannten Binderune zu bedienen. Sie besteht aus mehreren, übereinander gesetzten Einzelzeichen und kann z.b. als Amulett getragen werden. Mit Hilfe der Runenenergie ist es außerdem möglich, sich vor schlechten Einflüssen zu schützen. Man kann zur Unterstützung eines der zugeordneten "Fylgia", d.h. Helfertiere hinzubitten, die einem in Verbindung mit der gewählten Rune hilfreich zur Seite stehen können.


Runenhaltungen (Stöður)


Das Darstellen der Runenformen durch Körperhaltungen – im Stehen, daher stöður, Einzahl staða – wurde in der heute gebräuchlichen Art erst von neuzeitlichen Runenmeistern ausgearbeitet, es gibt aber Darstellungen, die dieses Ritual auch für die historische Zeit belegen könnten, z.B. ein isländisches Odinsamulett (Odin auf Sleipnir), auf dem der Gott die Arme in Form der Algiz-Rune (im nordischen Futhark: maðr-Rune) ausgebreitet hat.

Diese Algiz-Haltung ist auch außerhalb reiner Runenrituale für Anrufungen und zum Aufnahmen von Kräften gebräuchlich. Darstellungen aller Runen-stöður findest du in Edred Thorsson's "Handbuch der Runen-Magie" und in "Helrunar" von Jan Fries. Daneben ist es auch möglich, die Runen nur mit den Fingern darzustellen, z.B. Algiz durch Spreizen von Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Solche Runen-Griffe zeigt Jan Fries in seinem Buch.

Runenmeditation (Útiseta) 

Das nordische Wort útiseta bezeichnet nicht nur Runenmeditationen, sondern jede Art des "Draußensitzens", d.h. der germanischen Art der Meditation in der freien Natur. Dabei sucht man nicht die Einsamkeit, sondern das Alleinsein mit der Natur und ihren Pflanzen, Tieren und Geistern. Denn das Göttliche ist zwar auch in uns, aber wir finden es niemals allein in uns selbst, sondern nur in Wechselwirkung mit dem Göttlichen um uns.

Wie die germanische (und keltische) Meditation keine einsame Nabelbeschau ist, so wird bei ihr auch nicht der Geist bloß ruhiggestellt und "geleert", sondern die Ruhe – besser: Ausgeglichenheit – ist nur das Mittel zu einem aktiven Prozess, bei dem der Geist willentlich auf sein Ziel gelenkt wird – in unserem Fall auf die Runen.

Dazu konzentriert man sich auf die Form, den Klang und die Bedeutung der Rune, über die man meditieren will, d.h. man visualisiert diese Rune oder betrachtet sie auf einem Bild oder einem Holz, in das man sie geritzt hat, singt sie und macht sich ohne direktes linear-logisches Nachdenken ihre Bedeutung bewusst, die sich mit etwas Übung spontan über den Namen selbst erschließt. Die Runennamen sind schon in einfachster Übersetzung sehr aussagekräftig und entfalten, auch wenn bewusst nicht viel "hochzukommen" scheint, im tiefen Bewusstsein eine große Wirkung.

Bei der Runenmeditation ist der Geist offen und verletzlich. Sie erfordert daher ein Schutzritual (z.B. das Hammerritual) und eine abschließende Erdung. Am Anfang sollte man nur kurz meditieren, mit der Erfahrung kann man die Dauer auf einige Minuten steigern.

Der Runenmagier

Der Runenmagier oder "Vitki" spielte bei den nordischen, altgermanischen Völkern eine große Rolle. Er hatte die Funktion eines Schamanen, war also Priester, Seelsorger, Arzt und Psychiater in einem. Da er Zugang zu den Runenmächten hatte, stellte er seine Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinschaft (des Stammes), arbeitete aber auch für Einzelne, um ihnen bei der Bewältigung ihres Lebens zu helfen.

Zu seinen Aufgaben gehörten unter anderem die Förderung der Fruchtbarkeit sowohl des Landes als auch der Tiere und natürlich der Menschen selbst, der Schutz der Gemeinschaft vor Krankheiten, Seuchen und Naturkatastrophen, die Unterstützung der Kampfkraft der Krieger bei bewaffneten Konflikten mit anderen Stämmen, die Befragung der Runen zur Entwicklung geeigneter Strategien und Taktiken im Rahmen solcher Konflikte, die Behandlung und Heilung erkrankter Stammesmitglieder, die Herstellung und Ladung von Talismanen, Amuletten und anderen magischen Gegenständen usw.

Dabei wurde mit zum Teil recht komplizierten Runenformeln gearbeitet, die bis heute noch nicht alle entziffert werden konnten. Das Runenwissen war eine sehr umfangreiche Disziplin, die jahrelanges Studium und persönliche Unterweisung durch den Runenlehrer erforderte, und so kann dieses Gebiet hier nur kurz angesprochen werden.

Das Ziel der Runenmagie ist es jedenfalls, dem Menschen dabei zu helfen, Lebens- und Schicksalsprobleme zu meistern und zum Herrn seines eigenen Seins zu werden. Zudem will sie dem Vitki das Wissen um das Wirken kosmischer oder psychischer Mächte erschließen, damit er zu etwas Größerem werde, als er zu Anfang seiner Lehre war. Runenmagie schult den ganzheitlichen Menschen, indem sie ihn auf allen Ebenen weiterentwickelt: auf der körperlichen, der geistigen und der seelischen.


Runische Schutzmagie

Ein wichtiger Teil der Runenmagie ist Schutzmagie. Magischer Schutz bedeutet, einer magischen Einflußnahme von außen widerstehen zu können und nicht zum Spielball der Kräfte anderer zu werden. Doch nicht nur Personen, auch Gegenstände und Vorhaben können magisch vor widrigen Einflüssen geschützt werden. Die Schutzmagie spielte im Leben der alten Germanen eine herausragende Rolle.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Schutzmagie besteht darin, die persönliche Kraft des Vitki oder Runenkundigen zu stärken, denn ein kraftloses Wesen kann sich nicht hinreichend schützen. Es geht also vornehmlich um den Schutz vor Blockaden und unerwünschten Störungen aus dem eigenen Inneren. Erst in zweiter Linie befaßt sich die runische Schutzmagie mit der Abwehr magischer Angriffe, zumal diese auch äußerst selten sind.

Die drei wichtigsten Elemente jedes magischen Schutzes sind innere Mittigkeit, Wachsamkeit und Humor. Innere Mittigkeit erzielt man durch die Runen, indem man regelmäßig mit ihnen arbeitet. Natürlich sind auch andere magische Übungen und Techniken der inneren Mittigkeit förderlich, welche sich nach einiger Zeit zumindest schon zu einem großen Teil von allein einstellt. Außerdem entwickelt sich dadurch die magische Wahrnehmung weiter, was wiederum die magische Wachsamkeit erhöht.

Wie solche Übungen letztlich aussehen können, ist unterschiedlich, weil jeder individuelle Vorlieben hat. Das Üben sollte allerdings regelmäßig und am besten täglich geschehen, denn die Beherrschung der Runenmagie wird niemandem in den Schoß gelegt. Daher verlangt die praktische Runenmagie nach sehr viel Konsequenz und Hingabe, nach Fleiß und Durchhaltevermögen, man kann sie nicht "mal eben" wie irgendein Hobby praktizieren.

Der Vitki achtet auch auf das Wirken der Runen im Alltag, er sucht ihre Prinzipien in allem zu erkennen, was ihm begegnet. Das aber ist eine lebenslange Übung, die niemals abgeschlossen sein wird. Wenn man seine runische Achtsamkeit schulen möchte, kann man sich zunächst die Runenprinzipien verinnerlichen und dann alles, was man erlebt, einer Rune oder mehreren zuordnen und aus der Perspektive verschiedener passender Runen zu betrachten versuchen. Dabei kann man aus den entsprechenden Runen die gerade benötigte Kraft ziehen.

Durch solche Übungen, die man auch im Alltag ohne großen Zeitaufwand durchführen kann, werden die Runen erst richtig lebendig. Wenn man alles in Runen verstehen, erklären und ausdrücken kann, so hat man - zusammen mit der Mittigkeit und dem Humor - eine ungeheuer mächtige magische Waffe, die ungewünschte Einflüsse von außen ganz automatisch abwehren wird, ohne daß man sich noch sonderlich darum kümmern muß.
Runische Heilungsmagie

Ein weiteres großes Kapitel der Runenmagie ist die Heilungsmagie. Abgesehen vom Gebrauch von Runentalismanen und -amuletten zur Heilung und Abwehr von Krankheiten kann man mit den Runen auch unmittelbar therapeutisch arbeiten. Dies ist sowohl allein als auch mit einem Patienten möglich.

Möchte man bei sich selbst eine Krankheit behandeln, so muß man zunächst ihre Runenentsprechung bestimmen. Dafür gibt es keine eindeutigen Tabellen, denn da jede Rune auf ihre ureigene Weise zu dem Vitki spricht und jedem ihre Mysterien in unterschiedlichem Ausmaß offenbart, sollte man sich dabei lieber auf seine eigene Intuition verlassen als auf die Angaben anderer. Die bei den einzelnen Runen beschriebenen Heilungszuständigkeiten sind daher nur als kleine Anregung zu verstehen, die aber nicht für jeden so richtig sein müssen. Man sollte nach seiner persönlichen Empfindung gehen.

Hat man die entsprechende Rune (oder mehrere) bestimmt, konzentriert man sich auf sie und leitet die aktivierte Energie an die betroffenen Körperstellen und läßt sie dort wirken. Dies kann man so oft und so lange tun, wie es nötig ist.

Einen Patienten kann man ähnlich behandeln, indem man die aktivierte Energie durch die Hände an die betroffenen Körperteile leitet. Es ist hilfreich, wenn der Patient diesen Prozeß durch eigene Konzentration auf die Rune unterstützt, sofern ihm das möglich ist.

Man kann aber auch einen dauerwirksamen Runentalisman oder ein -amulett benutzen, welches man mit Runenenergie geladen hat. Dazu bindet oder klebt man das Objekt entweder an die betroffene Stelle oder trägt es anderweitig am Körper, legt es nachts unter das Kopfkissen o.ä.

Die beste Heilung ist natürlich die Vorbeugung - und damit kommt man zurück zum Thema Schutzmagie.

Wie bei jeder magischen Heilung sollte bei ernsten Beschwerden trotzdem der Arzt aufgesucht werden. Eine magische Behandlung kann zusätzlich zur schulmedizinischen durchgeführt werden, und beide beeinträchtigen einander in der Regel nicht - im Gegenteil, da sie dasselbe Ziel verfolgen, wirken sie eher einander unterstützend.

Magie sollte daher eine physische Heiltherapie niemals ersetzen, immer nur unterstützen. Auf manchen Gebieten ist die eine besser geeignet, auf manchen die andere, aber man sollte eben ruhig alle probaten Mittel nutzen. Außerdem lautet einer der Grundsätze der Magie, daß man nicht unbedingt magisch bewirken sollte, was man auch auf andere Weise erledigen kann.

Runenorakel

Grundsätzliches zur Runendivination

Von Wahrsagerei und simplen Zukunftsvorhersagen halte ich gar nichts, zumal die Zeit sich jeglicher Magie entzieht. Eine Divination ist daher auch eher eine Wiederspiegelung der Gegenwart, welche dem Suchenden aus einer anderen Perspektive gezeigt wird, damit er sie klarer erkennen kann. Eine solche Perspektive können zum Beispiel auch Runen sein, unter deren Aspekt die gegenwärtige Situation beleuchtet wird. Daraus können sich dann wiederum auch Trends für eine zukünftige Entwicklung ergeben, aber eine konkrete Zukunftsschau ist generell Blödsinn. Dies nur als Hinweis, daß eine ernsthafte Runendivination nichts mit Jahrmarktwahrsagerei zu tun hat und auch nicht mit solchen Dingen verwechselt werden sollte.

Runen drücken sich über Symbole aus, und die Symbolsprache ist auch die Sprache des Unterbewußtseins. So kann sich das Unbewußte über die Symbole Runen mitteilen. Wie bei jeder Divination kann das Unterbewußtsein so auf Fragen antworten oder Dinge erklären, zu denen es tief im Inneren, vom Bewußtsein unbemerkt schon eine Entscheidung getroffen oder eine Meinung gefunden hat. Verbindet sich der Magier mit dem Unbewußten eines anderen, so mag er sogar für diesen aus dessen Unterbewußtsein Antworten empfangen, doch ist es äußerst schwierig, diese von den Antworten aus dem eigenen Inneren zu unterscheiden.

Kein Gebiet der Magie ist so sehr von Scharlatanen überlaufen wie das der Weissagung. Hier werden mit ein paar simplen psychologischen Tricks, vielleicht manchmal sogar mit ein wenig Amateur-Magie, und einigen guten Sprüchen Millionen mit den Hoffnungen Ratsuchender verdient. Ein ernsthafter Magier wendet Divinationen immer nur sehr vorsichtig an und hält sich gerade mit Zukunftsprognosen besser zurück, da er weiß, daß sie nicht nur fraglich sondern auch beeinflussend sind. Ein seriöser Magier wendet eine Divination an, um Erkenntnisse über das Gegenwärtige zu erlangen oder es aus neuer Perspektive betrachten zu können. Daraus können dann Lösungen und Wege in eine mögliche (!) Zukunft abgeleitet werden, und das macht Divination so wertvoll, aber konkret in die Zukunft schauen kann niemand.

Alle guten Orakelsysteme sind eigentlich eine Trendanalyse der Gegenwart. Das Leben ist unendlich vielseitig, alles steht mit allem in Verbindung, alles beeinflußt alles andere. Daher ist es unmöglich, die tatsächlich eintretende Zukunft vorauszusehen. Eine gründliche Trendanalyse läßt zwar fundierte Schlüsse auf wahrscheinliche zukünftige Entwicklungen zu, die sich auch sehr häufig tatsächlich bewahrheiten, andererseits aber ist die Zahl der Einflußfaktoren schier unbegrenzt, so daß schon die winzigste Verschiebung schwerwiegende, praktisch unvorhersehbare Folgen haben kann (Chaostheorie).

"Runen raunen rechten Rat", heißt es in den alten Schriften, und mehr als Ratgeber sind sie auch nicht und wollen es auch nicht sein. Aber sie können sehr wertvolle Ratgeber sein, und schon immer wurde das sogenannte "Runenwerfen" als Mittel der Ratfindung verwendet.

Runen kann man zunächst einmal dazu benutzen, um sich Klarheit über die eigene gegenwärtige Situation seines Lebens zu verschaffen. Alle Zukunft wurzelt in der Gegenwart, und so ist es sinnvoller, diese in ihrer ganzen Spannbreite zu erfassen, als kurzsichtig und sensationslüstern auf die Vorhersage und das Erkennen konkreter Zukunftsereignisse zu schauen.

Nach der überlieferten Mythologie hat Odin die Runen gefunden, als er, am windigen Baume hängend, seinen Blick für das ganzheitliche Denken nach innen lenkte. So erlangte der Asengott Weisheit. Runenorakel sind keine primitive esoterische "Zukunftsschau". Oberstes Ziel des Suchenden muß stattdessen die Suche nach Selbsterkenntnis sein - was nur durch den Blick nach innen, wie auch Odin ihn wagte, zu bewerkstelligen ist. Nur derjenige, der Wissen über sich selbst gewonnen hat, ist fähig, den Werdegang seines eigenen Selbst im Gewesenen, Gewordenen und Angestrebten (also in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) nachzuspüren, um mögliche Fehlentwicklungen zu erkennen und zu korrigieren, bevor sie unheilbaren Schaden anrichten.

Antworten der Runen an den Fragenden - auch scheinbar negative - sind deshalb niemals unabwendbare "Urteilssprüche", denen der Mensch hilflos ausgeliefert ist und nicht mehr entrinnen kann. Das Raunen der Runen gibt statt dessen wertvolle Hinweise auf richtiges oder falsches Verhalten des Fragenden gestern, heute oder im möglichen Morgen. Mit deren Hilfe kann er selbst die Weichen für seine persönliche Zukunft stellen, indem er eine gute Prognose durch sein Handeln unterstützt oder einer schlechten die Grundlage entzieht. So verstanden, ist ein Befragen der Runen nicht nur sinnvoll, sondern auch sachlich gerechtfertigt, weil es nichts anderem als der Selbsterziehung dient.

Fragetechniken

Das Befragen von Orakeln, wie überhaupt jede divinatorische Frage, verlangt nach einer bestimmten Fragetechnik. Die Runen, wie auch das Unterbewußtsein, drücken sich über eine Symbolsprache aus, und diese besteht aus Bildern. Daher können sie (Runen und Unterbewußtsein) auch nur Fragen beantworten, die ebenfalls aus Bildern bestehen und auf die genauso eine aus Bildern bestehende Antwort möglich ist. "Ja" oder "Nein" sind keine Bilder, daher kann eine Divination eine Frage, welche nur ein "Ja" oder "Nein" als Antwort zuläßt, nicht richtig beantworten.

Die Frage "Wird mein Vorhaben gelingen?" ist also unzulässig. Besser wäre "Wie wird mein Vorhaben verlaufen?" (nicht "gelingen", weil das Gelingen so als Suggestivfrage vorausgesetzt würde). Diese Art der Fragestellung ist jedoch noch zu zukunftsorientiert, und die Antwort wäre sicher schwierig zu verstehen oder unklar. Im Sinne einer Gegenwartsanalyse wäre deshalb die beste Frage: "Wie steht es um mein Vorhaben?" Auch mit Bildern kann man zu sehr eindeutigen Aussagen gelangen, sofern man erst die richtige Technik erlernt hat - das verlangt nur ein wenig Übung.

Eine große, aber gefährliche Versuchung ist es, Suggestivfragen zu stellen, die ihre eigene Antwort bereits vorwegnehmen. Beispiele wären "Wann werde ich im Lotto gewinnen?" oder "Wann werde ich einen Liebespartner finden?" So formuliert, behauptet bereits die Frage, daß das gewünschte Ereignis tatsächlich eintreffen wird, und es geht nur noch um den "richtigen" Zeitpunkt - das aber ist eine Selbsttäuschung.

Damit nimmt man dem Runenorakel nämlich jede Chance, korrigierend klarmachen zu können, daß das Gewünschte möglicherweise überhaupt nicht bevorsteht und daß man seine Energien lieber auf etwas Konstruktiveres, Erfolgversprechenderes richten sollte.

Stattdessen könnte man aber fragen "Wie wird es, wenn ich morgen Lotto spiele?" oder "Wie stehen meine Chancen, einen Liebespartner zu bekommen?" oder, noch besser, "Warum habe ich Probleme, einen Liebespartner zu finden?"

Auch Fragen wie "Was kann ich tun, um zu verhindern, daß..." wäre eine solche Suggestivfrage, da sie sowohl den drohenden Eintritt einer Sache als auch dessen erfolgreiche Verhinderung als Tatsachen voraussetzt.

Man sollte ebenfalls Fragen vermeiden, die allzu vage sind. "Wie werde ich glücklich?" ist zum Beispiel viel zu unscharf, um eindeutige, präzise Antworten zu erlauben. Meistens zeigt eine solche Fragestellung, daß der Fragende selbst nicht so genau weiß, worum es ihm eigentlich geht. Man sollte lieber erst für sich feststellen, was "Glück" für einen konkret bedeutet und Schlagworte und Klischees vermeiden.

Andererseits hat es auch keinen Zweck, überpräzisierte Fragen zu stellen. "Was wird am 18. April um 13.52 in der Hauptstraße 34 im 2. Stock passieren?" klingt zwar sehr konkret, führt aber meistens zu nichts. Die Runen können nur leicht unscharfe Fragen beantworten, deren Antwort das Unterbewußtsein auch möglicherweise kennen kann. "Wer hat gestern bei mir zu Hause eingebrochen?" dürfte bei den Runen kaum jemals eine befriedigende Antwort ergeben.

Es gibt eine Vielzahl von Menschen, die nicht erkennen wollen, daß auch Orakel nicht allwissend sind. Die Runen sind zwar mächtig, aber auch nicht allmächtig. Deshalb sollte man sich bei Orakelfragen auf seinen persönlichen Erfahrungsbereich, sein Bezugssystem, konzentrieren, denn auch nur auf dieses erstreckt sich auch das Wissen des Unterbewußtseins. Wer nichts vom Weltbörsengeschehen versteht, wird auf einschlägige Fragen meist nur unsinnige Antworten vom Orakel erhalten. Anders ein Börsenmakler, dessen Unbewußtes durch seine ständige Beschäftigung mit dem Thema viel verwurzelter darin ist.

Fragen, die den eigenen geistigen Wirkungs- und Erfahrungshorizont allzu weit übersteigen, sollte man möglichst nicht stellen. Das gilt übrigens auch für Fragen, die den gängigen Zeitrahmen sprengen. "Wo werde ich in 25 Jahren spirituell stehen?" oder "Wie sieht es politisch in 10 Jahren im Land X aus?" wird sicher keine vernünftige Antwort des Orakels ergeben. Das alte Sprichwort vom Schuster, der bei seinem Leisten bleiben soll, gilt sinngemäß auch für das Runenorakel.

Gern versucht gerade der Anfänger häufig, eine bestimmte Orakelantwort zu erzwingen, indem er es nach einer unbefriedigenden Antwort einfach noch einmal dasselbe fragt. Auch sogenannte Skeptiker gefallen sich gern in der Pose des nie zu Überzeugenden und versuchen, das Orakel dadurch zu "entlarven", daß sie sofort nach der ersten Frage diese wiederholen und damit rechnen, daß sie nun eine völlig andere Antwort erhalten. Obwohl es oft genug vorkommt, daß das Runenorakel ihnen dann tatsächlich noch einmal dieselbe Antwort gibt, zum Beispiel also dieselbe Rune geworfen wird, sollte dies eher als ernste Warnung denn als Belustigung aufgefaßt werden.

Jedes Orakel (beziehungsweise das eigene Unterbewußtsein) fordert vom Befrager zu Recht einen gewissen Respekt. Wird ihm dieser verweigert, gibt es in Zukunft nur noch ungenaue oder falsche Antworten. Das Argument, daß eine andere Rune als gegebene Antwort auf dieselbe Frage den Wert des Orakels widerlegen würde, geht am Kern der Sache vorbei. Denn tatsächlich wird niemals zweimal genau dieselbe Frage gestellt. Selbst wenn der Wortlaut der gleiche ist, ist doch die Situation schon wieder eine andere. Bis zum zweiten Mal hat sich die Erde ein Stück weitergedreht, die Zeit hat sich verändert, inzwischen sind wieder einige Körperzellen im Fragenden abgestorben, er atmet nicht mehr dieselbe Luft - jeder Augenblick ist einmalig und unwiederholbar. So sollte man die Antwort der Runen lieber akzeptieren, versuchen, sie richtig zu deuten und das Beste aus der Aussage zu machen.

Selbstverständlich kann man Fragen, auf die man nur ungenaue oder unverständliche Antworten erhalten hat, genauer umreißen, beziehungsweise sich mit mehreren Einzelfragen nach verschiedenen Teilbereichen erkundigen.

Zu beachten ist, daß eine Orakelantwort lediglich eine Trendanalyse ist und nicht etwa ein unabwendbarer Schicksalsspruch. Mancher mißbraucht die Orakel dazu, seine geheimen und weniger geheimen Wünsche und Ängste in sie hineinzuprojizieren. Wie jede Runenarbeit will die Orakelbefragung freimachen, Entscheidungshilfe bieten und Zusatzinformationen zur Verfügung stellen. Auf keinen Fall will sie den Menschen in Angst und Schrecken versetzen, bis er sich mutlos seinem vermeintlichen "Schicksal" hingibt.

Das Runenorakel ist vielmehr eine Chance, Einflußfaktoren zu erkennen, die sonst vielleicht verborgen geblieben wären, um mit Hilfe diesen Wissens zu neuen, brauchbaren Entscheidungen zu kommen. Wenn man diese Ratschläge beherzigt, wird man sich einige unnötige Enttäuschungen ersparen und dafür in den vollen Genuß des Runenorakels gelangen.


Runenziehen und -werfen

Man weiß nur sehr wenig darüber, auf welche Weise die alten Germanen die Runen tatsächlich befragt haben, um zu ihren Lebensentscheidungen zu finden. Bekannt aber ist, daß Runen sehr häufig "geworfen" wurden. Aus ihrer Anordnung wurden dann die Antworten herausgelesen. Die esoterische Runenkunde hat seither zahlreiche Techniken der Orakelbefragung entwickelt (oder angeblich wiederentdeckt), von denen hier einige zur Auswahl angeboten werden.

Die historischen Quellen erwähnen Runenstäbe. Dies waren Holzstäbchen, auf die einzelne Runen geritzt wurden und die dann während des Orakels gezogen oder auf ein weißes Tuch geworfen wurden. Die Auslegung richtete sich bei dieser Methode nach dem Fall der Runenstäbe und nach ihrer einzelnen, spezifischen Bedeutung. Man kann aber auch Runensteine werfen.

Das Runenziehen ist vielleicht die einfachste Orakeltechnik. Der Orakelnehmer konzentriert sich intensiv auf seine Frage, bis er an nichts anderes mehr denkt. Dann greift er in einen Beutel mit Runenstäben oder -steinen und entnimmt diesem eine Rune, die dann gedeutet wird. Hinweise für eine solche Deutung sind bei den Erklärungen der einzelnen Runen auf dieser Seite zu finden.

Obwohl man nicht mehr genau weiß, wie die altgermanischen Völker das Runenwerfen praktizierten, gibt es doch Möglichkeiten, von anderen uralten, noch heute gängigen Wurfmethoden fundierte Rückschlüsse auf die Durchführung des Runenwerfens zu ziehen.

Zwei Methoden werden hier vorgestellt. Für beide Vorgehensweisen benötigt der Runenwerfer ein Tuch, das auf dem Boden ausgelegt wird, eventuell auf einer weichen Unterlage. Das Tuch sollte am besten weiß und sauber sein, von etwa 50 mal 50 Zentimetern Größe und möglichst aus Leinen bestehen. Viele Runenmagier verzieren ihr Tuch, nähen beispielsweise eine schöne Bordüre an oder besticken es mit allerlei Ornamenten. Dies sollte jedoch nicht übertrieben werden, damit das Auge bei der Weissagung nicht zu stark abgelenkt wird.

Bei der ersten Methode setzt sich der Orakelnehmer vor das Tuch. Traditionell geschieht das mit dem Gesicht nach Norden, doch das bleibt jedem selbst überlassen. Nach einer intensiven Konzentration auf die Frage werden die Runensteine mit geschlossenen Augen auf das Tuch geworfen. Der Runenstein, der am weitesten geradeaus vom Werfer entfernt fällt, wird als Antwortrune gewertet. Fallen mehrere Runen gleich weit, werden sie zusammen gedeutet.

Die andere Methode besteht darin, nach intensiver Konzentration auf die Frage die Runensteine mit geschlossenen Augen auf das Tuch zu werfen und danach, ebenfalls mit geschlossenen Augen, eine ungerade Anzahl Runen (eine, drei, fünf oder sieben) zu ziehen und nebeneinander auszulegen. Nun werden diese Runen gedeutet, wobei die Kombination der Steine und ihre Reihenfolge die in Frage stehende Angelegenheit, nach der gefragt wurde, genauer beleuchtet.

Bei beiden Methoden ist zu beachten, daß es von Bedeutung ist, ob die Runen aufrecht oder kopfunter fallen, beziehungsweise so gezogen werden. Aufrechte Runen haben eine überwiegend "positive", umgekehrte Runen eine überwiegend "negative" Bedeutung. Weil nur acht Runen immer gleich aussehen, ob sie aufrecht oder umgekehrt liegen, wird die Deutung der anderen 16 Zeichen davon abhängen, wie sie gezogen, geworfen oder hingelegt wurden.

Auch dies sollte allerdings nicht zu pauschal und klischeehaft verstanden werden. "Positiv" kann "fördernd" bedeuten, es kann aber auch anzeigen, daß bestehende Hindernisse bei entsprechender Arbeit überwunden werden können und besagt also noch lange nicht, daß es überhaupt keine Hindernisse gäbe. Andererseits kann "negativ" zwar "hemmend" bedeuten, es kann aber auch ein Fingerzeig auf Probleme und Hindernisse sein, die sich wohl überwinden lassen, bisher aber noch nicht erkannt oder richtig eingeschätzt wurden.

Befragt man die Runen für einen anderen, so sollte entweder der Fragende selbst die Runen ziehen oder werfen, oder man konzentriert sich mit ihm gemeinsam auf sein Anliegen und tut es für ihn. Letzteres wird vor allem von Runenmagiern vorgezogen, die ihre Runen niemals von einem anderen Menschen berühren lassen, nachdem sie erst einmal geweiht wurden. Andere mögen dies lockerer sehen.

Das Runen-Orakel

Machen Sie sich vor dem Runen-Orakel mit den Zeichen vertraut und suchen Sie sich einen ruhigen Ort. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Frage und ziehen Sie eine oder mehrere Runen aus Ihrem Runenbeutel.

Das Odinsorakel  Odins-Rune


Das Odinsorakel ist die einfachste und damit auch schnellste Art, das Orakel befragen. Sie besteht im Ziehen oder Werfen einer einzigen Rune, die einen Überblick über die Gesamtsituation vermittelt. Diese eine Rune umfaßt das Problem, die augenblickliche Zustände und die Lösung. Die Rune bringt alles auf einen Punkt, zeigt die Situation aus ihrer Perspektive. Diese Technik ist sehr einfach und eignet sich ebenso gut für den Anfänger wie für den Fortgeschrittenen.


Das Zeitachsenorakel

Beim sogenannten Zeitachsenorakel kann man die Runen nach Belieben entweder ziehen oder werfen. Es werden zu Anfang immer drei Runen verwendet. Die linke oder rechte Rune (es gibt unterschiedliche Überlieferungen, am besten legt man dies nach eigenem Gusto fest) zeigt die Vergangenheit an, die mittlere die Gegenwart und die letzte schließlich die mögliche Zukunft der Angelegenheit, um die sich die Frage dreht. Das hat den Vorteil, daß man zahlreiche Informationen über sein Anliegen erhält, die sich zudem zeitlich einordnen lassen.

Der etwas abstrakte Begriff "Vergangenheit" kann auch interpretiert werden als "Was hat zur gegenwärtigen Situation geführt?" Die "Gegenwart" wird dann präzisiert zu "Wie sieht es im Augenblick mit der fraglichen Angelegenheit aus?", und die "Zukunft" wird zu "Welche Entwicklungen sind im Augenblick für die Zukunft wahrscheinlich wenn sich nichts Entscheidendes ändert?"

Für mythologisch Interessierte, repräsentiert dieses Dreiersystem ein überliefertes Runenorakel, welches sich an die Nornen Urd, Werdandi und Skuld wendet, die das Schicksal in drei Zeiten weben. Auch diese Nornen sind Archetypen des Inneren, und man wendet sich beim Orakel eben nicht an eine verschwommene und abstrakte, äußere, d.h. außerpersönliche Macht. Man ruft vielmehr jene runischen Kräfte an, die im eigenen Inneren wohnen, und die ein Teil dessen sind, was das gesamte Universum, im Großen wie im Kleinen, beseelt.

Sollte man noch mehr Informationen zu einem bestimmten Bereich (Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft) wünschen, kann man weitere Runen ziehen oder werfen, wobei man sich dabei immer darauf konzentriert, über welchen Bereich die Steine oder Stäbe eine Aussage machen sollen. Will man beispielsweise noch Näheres über bestimmte Tendenzen der Gegenwart wissen, zieht oder wirft man eine vierte Rune, die als sekundäre Gegenwartsauskunft gilt. Diese wirft vielleicht eine neue Frage über die Zukunft auf, so daß man noch eine Rune als sekundäre Zukunftsauskunft ermittelt usw. 


Auch tertiäre Runen sind denkbar, und theoretisch könnte man auf diese Weise endlos fortfahren, doch ist es nicht sinnvoll, mehr als ca. fünf bis maximal neun Runen deuten zu wollen. Gerade am Anfang sollte man sich auf eine bis drei Runen beschränken, da die Aussagevielfalt sonst leicht zur Verwirrung führt. Selbstverständlich kann man auch mit anderen Lege- und Deutungssystemen experimentieren, wenn man zu ihnen einen Bezug hat. Phantasie und Experimentierfreudigkeit sind dabei keine Grenzen gesetzt.


Das Drei - Runen - Orakel

  
  

Diese Orakeltechnik war laut Tacitus schon vor 2.000 Jahren in Gebrauch. Sie ähnelt der vorigen, denn auch hier werden drei Runen gezogen oder geworfen und dann blind von rechts beginnend nach links nebeneinander gelegt. Die rechtsliegende Rune zeigt die Situation an, wie sie ist. Die mittlere Rune empfiehlt eine notwendige Handlungsweise, und die linke Rune zeigt die neue Situation, die sich daraus entwickeln kann. Das Drei-Runen-Orakel führt zu recht befriedigenden Resultaten in allen Situationen, außer in extrem komplizierten.

                                     Das Runenkreuz


  •      
     


Diese Art der Interpretation kann ein umfassendes Bild einer Situation und der weiteren Möglichkeiten liefern Für die Anordnung als Runenkreuz benötigt man sechs Runen, die in der Form eines keltischen Kreuzes gelegt werden. Die Reihenfolge und Ordnung der Runen ist folgendermaßen:

1. Vergangenheit
2. Man selbst jetzt
3. Zukunft
4. Grundlage
5. Herausforderung
6. Bestmögliches Resultat
  6  
  5  
  3  
  1  
  2  
  4  

Die erst Rune repräsentiert die Vergangenheit, also von wo man kommt, was direkt hinter einem liegt. Die zweite Rune repräsentiert den Suchenden selbst in der Gegenwart. Die dritte Rune, die Rune der Zukunft, steht für das, was vor einem liegt, was erst noch ins Dasein kommen kann. Die vierte Rune, gibt die Grundlage der Angelegenheit an, die betrachtet wird, die unbewußten Elemente und archetypischen Kräfte, die mit im Spiel sind. Die fünfte Rune, die Rune der Herausforderung, zeigt das Wesen der Hindernisse, die auf dem Weg liegen. Die letzte, die sechste Rune, die des bestmöglichen Resultates, offenbart den optimalen Ausgang der gegenwärtigen Situation, auf den man hoffen kann.

Da das Runenkreuz einen Informationsschatz von beträchtlichem Umfang birgt, wird diese Methode oft zum Anlaß zu tieferem Nachdenken. Wer nach dem Auslegen und Deuten dieser sechs Runen noch immer keine Klarheit gewinnt, legt alle Runen wieder in den Beutel zurück und zieht noch einmal eine einzelne. Diese siebte Rune, die Rune der Lösung, wird das Wesen der Situation offenbaren.

Die Auswertung des Orakels
Nachdem man die Runen gezogen oder geworfen hat, sollte man sich eine Weile entspannen, möglichst nicht an seine Frage denken und die Symbole in aller Ruhe auf sich einwirken lassen. Durch diese "weiche" Vorgehensweise vermeidet man es nämlich, den Runen allzu verkrampft und begierig ihr Geheimnis entlocken zu wollen - das führt meist nur zu Fehldeutungen. Das Unbewußte, aus dessen Tiefen die eigentliche Antwort emporsteigen wird, möchte respektvoll und sanft behandelt werden.

Nun kann man noch einmal die Texte zu den entsprechenden Runen lesen und die einzelnen Abschnitte auf sich wirken lassen. Natürlich kann man bei der reinen Weissagung den Teil über die Runenmagie vernachlässigen, es sei denn, daß sich die Frage um dieses Thema dreht. Die anderen Passagen sollte man aber ausnahmslos lesen und nach jedem Abschnitt wieder eine kleine Besinnungspause einlegen. Im Abschnitt Orakelbedeutung findet man zwar die eigentliche Antwort auf seiner Frage, allerdings stellt jede Rune einen ganzen Komplex von Aussagen dar, deshalb ist es hilfreich, auch die anderen Informationen mit einzubeziehen.

Man sollte stets selbstkritisch bleiben und jede Wunschprojektion vermeiden. Am besten ist dabei ein geistiger Zustand von Objektivität, in dem man nicht begierig nur nach einer bestimmten, günstigen Antwort Ausschau hält, sondern offen und ehrlich die erhaltene Aussage annimmt und auswertet, sich zugleich bei aller inneren Gelassenheit und Unberührtheit aber auch so viel ernsthafte Mühe gibt wie nötig ist, um zu einer überzeugenden Deutung zu gelangen. Es kann sein, daß dies am Anfang ein wenig schwerfällt, doch man wird schon nach kurzem Üben merken, worauf es dabei tatsächlich ankommt.

Man beginnt möglichst mit einfachen, überschaubaren Fragen, und hebt sich die komplizierteren Anliegen für später auf, wenn man bereits über genügend Erfahrung verfügt und einem die meisten Runenbedeutungen bereits geläufig sind.

Man sollte das Runenorakel niemals in einem Zustand großer seelischer Aufregung, Zorn oder Verzweiflung befragen, denn das führt zwangsläufig zu falschen Ergebnissen. Früher war es Weissagern sogar verboten, ihre Orakel bei Gewitter, Regen oder stark bewölktem Himmel zu befragen, was sich durchaus biologisch-physiologisch erklären läßt, da der menschliche Organismus dann oft unter innerer "Hochspannung" steht, und der Geist der Forderung nach Lösung und Mittigkeit nur mit Mühe entsprechen kann, wenn überhaupt. Wer stark wetterfühlig ist, wird wissen, was damit gemeint ist.

Man stellt durch eigene Erfahrung fest, welche Gelegenheiten am besten geeignet sind und bei welchen die Orakelbefragung nur schwer gelingt. Man darf sich auf keinen Fall unter Erfolgsdruck setzen. Lockerheit und Heiterkeit sind zwar im Umgang mit dem Runenorakel angebracht, aber ein Gesellschaftsspiel ist es eben auch nicht, denn es so zu betrachten, führt zum Verlust der natürlichen Fähigkeit, das Orakel korrekt zu handhaben und zu deuten.

Ob man sich das Runenorakel nun auf der rein psychologischen Ebene erschließt, wobei die Runen die Verkörperung archetypischer Urkräfte der Seele darstellen, die über Symbole einen Zugang zum Unbewußten ermöglichen, oder im magisch-mythischen Sinn betrachtet, indem man tiefer in die nordische Götter- und Mythenwelt eintaucht und das Orakel auf dieser Grundlage im kultischen Rahmen befragt, spielt für den Erfolg der Sache keine große Rolle.

Es bleibt letztlich eine Frage der Veranlagung, für welchen Weg man sich entscheidet. Eher religiös-kultisch gesinnte Menschen werden wohl den rituellen Rahmen bevorzugen, andere werden sich dafür im psychologischen Ansatz stärker zu Hause fühlen. Vom pragmatischen Standpunkt aus sind beide Wege gleichwertig, solange sie zum jeweils gewünschten Ergebnis führen.