Halt hoch das Haupt was dir auch droht und werde nie zum Knechte. Brich mit den Armen gern dein Brot und wahre deine Rechte! Treib nicht mit heiligen Dingen Spott und ehre fremden Glauben und lass dir deinen Schöpfer und Gott von keinem Zweifler rauben.
Sieg oder Spott, folg deinem Gott!



Mittwoch, 11. April 2012

Hagedisen – Hexen

Die erfolgreiche Vorgehensweise und die überzeugenden Ergebnisse der heilkundigen Frauen stellten eine große Bedrohung für das aufkommende Christentum, sprich die Kirche dar.

Denn diese Frauen verließen sich mit ihren außergewöhnlichen Begabungen eher auf ihre Sinne und Erfahrungen als auf die Gebote des Glaubens. Versuch und Jrrtum lehrte sie Ursache und Wirkung zu erkennen. Sie Forschten rege, vertrauen auf ihre Fähigkeit, die richtigen Mittel zur Behandlung von Krankheit, Schwangerschaft und Geburt zu finden und einzusetzen. Sie besaßen ein unerschöpfliches Wissen bezüglich der Heilpflanzen und ihrer mengenmäßigen Anwendung, entscheiden doch schon einige Milligramm eines Pflanzenstoffs über Leben und Tod.

Die Kundigen konnten mit Hilfe der Pflanzen Leben verkürzen oder verlängern, Schmerzen lindern, Menschen in die Ewigkeiten geleiten, Geburtensteuerung betreiben, Geburten erleichtern. Diese Frauen –die Hagedisen- waren den Kirchenfürsten ein Dorn im Auge. Deren auf das Jenseits gerichtete Lehre, mit ihrer Körper und somit medizinfeindlichen Gesinnung, verhinderte die Entfaltung der überlieferten Heilkunde. Verdeckt und heimlich arbeiteten unsere Frauen weiter. Ihre Erfolge wurden jedoch als Zauberei und Teufelswerk ausgelegt. Es war (angeblich) um 400 n. Ch. als der Teufel durch Papst Augustin aus der Taufe gehoben wurde.

Mit seiner Lehre vom Reich des Guten und Reich des Bösen wollte er den Heidengöttern den Garaus machen. Er verwies sie als Dämonen in das Reich des Bösen. Damit begann eine unheilvolle Entwicklung.

Durch christliche Zutaten grässlich entstellt wandelte sich das ehrwürdige Heidentum zum Aberglauben, die einst angesehenen Hagedisen aber machten sie zum Verbündeten des Teufels,…aus (guten) Hagedisen wurden (böse) Hexen. Die tatsächliche Hexenverfolgung begann allerdings viel, viel später. Ein Buch brachte die Lawine erst richtig ins Rollen: - Der Hexenhammer -! Zwei Dominikanerpater, Jakob Sprenger, päpstlicher Inquisitor für die Rheinlande und Heinrich Institoris, Inquisitor für Oberdeutschland, verfasste als geliebte Söhne von Papst Innozens 8. zur Anleitung auf die Hexenjagd 1487 den Malleus maleficarum, eben den Hexenhammer.

Dieses klassische Handbuch der Hexenlehre besteht aus drei Teilen. Im ersten wird auf die Zauberei, die Rolle des Teufels und der Hexen eingegangen. Im zweiten Teil werden die von Hexen verübten Fälle von Schadenszauber aufgeführt und im dritten Teil werden die Anleitungen für die Prozessverläufe und die Arten der Ausrottung vorgestellt.

Es ist ein unvergleichlicher Vernichtungsversuch von erstaunlicher Gründlichkeit. Die Jagd nach dem Hirngespinst- Hexe- ist einzigartig in der Weltgeschichte, ja man kann hier von einer Massenhysterie sprechen. Die Hingerichteten wurden Opfer einer Erfindung der Katholischen Kirche, doch schlossen sich die Protestanten in nicht minder grausamer Form an. Die Verfolgungen waren gut organisierte Feldzüge, angefacht, finanziert und durchgeführt von Kirche und Staat. Waren es anfangs die weisen Frauen und Hebammen aus der bäuerlichen Bevölkerung, so konnte es später ausnahmslos jede treffen – von Nichtsesshaften über achtsame Bürgersfrauen bis zur Fürstengattin und deren Hofdamen. Zu Beginn war es ausschließlich die Geistlichkeit, welche die Verfolgung betrieb. Später beteiligten sich weltliche Herrscher nebst Juristen und Medizinern mit gleichem Eifer.

Der Hexenwahn erreichte erschreckende Ausmaße. Im späten 15. und im frühen 16. Jahrhundert wurden Abertausende gefoltert und hingerichtet, gewöhnlich bei lebendigen Leib auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ein Zeitzeuge schätz die Hinrichtungen in bestimmten deutschen Städten auf 600 im Jahr; 2 je Tag – mit Ausnahme der Sonntage! In zwei Dörfern des Bistums Trier blieb im Jahr 1585 nur jeweils eine weibliche Person am leben.

Die Gesamtzahl der Hinrichtungen ging nach Angaben vieler Chronisten europaweit in die Millionen. alte Frauen, junge Frauen und Kinder. Hexenprozesse waren Angelegenheit der örtlich zuständigen Priester oder Richter. Jeder, der es unterließ, eine Hexe anzuzeigen, musste ebenfalls mit Strafen rechnen. Wurde ein Fall von Hexerei verhandelt konnte der Prozess dazu genutzt werden, weiter Hexen aufzuspüren.

Sprenger und Institoris gaben genaue Anleitung für die Folter zum Erzwingen von Geständnissen und weiteren Anschuldungen. Noch zum Ende des 16. Jahrhundert verurteilte ein einziger Hexenrichter, Remigius mit Namen, 800 Frauen in Lothringen zum Tod am Scheiterhaufen. Der Vollständigkeit halber sollte jedoch erwähnt werden, das es durchaus auch Widerspruch innerhalb der Kirche gab. Einwände waren jedoch erfolglos und gingen in der schon Graffierenden Unruhe unter; wie bei Thomas Müntzer, der seines Amtes enthoben wurde, aber weiterhin mit anderen Geistlichen in Sachsen-Anhalt und Thüringen versuchte, gegen die Hexenverfolgung anzugehen.

Die letzten Hexenmorde tauchte in Deutschland immerhin noch 1763 auf. Somit währte die Hexenverfolgung mehr als drei Jahrhunderte und erstreckte sich über Deutschland, Frankreich, England und andere Länder. Sie nahm ihren Anfang im Feudalismus und dauerte unter ständiger Verschärfung bis weit in die Zeit der so genannten Aufklärung hinein. Doch im Grunde hat der harte Kern der katholischen Kirche seine Vorstellungen längst nicht aufgegeben. Es gibt bis auf den heutigen Tag die Exorzisten; Geisterbeschwörer und Teufelsaustreiber……