Halt hoch das Haupt was dir auch droht und werde nie zum Knechte. Brich mit den Armen gern dein Brot und wahre deine Rechte! Treib nicht mit heiligen Dingen Spott und ehre fremden Glauben und lass dir deinen Schöpfer und Gott von keinem Zweifler rauben.
Sieg oder Spott, folg deinem Gott!



Samstag, 1. Oktober 2011

Runenziehen und werfen

Man weiß nur sehr wenig darüber, auf welche Weise die alten Germanen die Runen tatsächlich befragt haben, um zu ihren Lebensentscheidungen zu finden. Bekannt aber ist, daß Runen sehr häufig "geworfen" wurden. Aus ihrer Anordnung wurden dann die Antworten herausgelesen. Die esoterische Runenkunde hat seither zahlreiche Techniken der Orakelbefragung entwickelt (oder angeblich wiederentdeckt), von denen hier einige zur Auswahl angeboten werden.

Die historischen Quellen erwähnen Runenstäbe. Dies waren Holzstäbchen, auf die einzelne Runen geritzt wurden und die dann während des Orakels gezogen oder auf ein weißes Tuch geworfen wurden. Die Auslegung richtete sich bei dieser Methode nach dem Fall der Runenstäbe und nach ihrer einzelnen, spezifischen Bedeutung. Man kann aber auch Runensteine werfen.

Das Runenziehen ist vielleicht die einfachste Orakeltechnik. Der Orakelnehmer konzentriert sich intensiv auf seine Frage, bis er an nichts anderes mehr denkt. Dann greift er in einen Beutel mit Runenstäben oder -steinen und entnimmt diesem eine Rune, die dann gedeutet wird. Hinweise für eine solche Deutung sind bei den Erklärungen der einzelnen Runen auf dieser Seite zu finden.

Obwohl man nicht mehr genau weiß, wie die altgermanischen Völker das Runenwerfen praktizierten, gibt es doch Möglichkeiten, von anderen uralten, noch heute gängigen Wurfmethoden fundierte Rückschlüsse auf die Durchführung des Runenwerfens zu ziehen.

Zwei Methoden werden hier vorgestellt. Für beide Vorgehensweisen benötigt der Runenwerfer ein Tuch, das auf dem Boden ausgelegt wird, eventuell auf einer weichen Unterlage. Das Tuch sollte am besten weiß und sauber sein, von etwa 50 mal 50 Zentimetern Größe und möglichst aus Leinen bestehen. Viele Runenmagier verzieren ihr Tuch, nähen beispielsweise eine schöne Bordüre an oder besticken es mit allerlei Ornamenten. Dies sollte jedoch nicht übertrieben werden, damit das Auge bei der Weissagung nicht zu stark abgelenkt wird.

Bei der ersten Methode setzt sich der Orakelnehmer vor das Tuch. Traditionell geschieht das mit dem Gesicht nach Norden, doch das bleibt jedem selbst überlassen. Nach einer intensiven Konzentration auf die Frage werden die Runensteine mit geschlossenen Augen auf das Tuch geworfen. Der Runenstein, der am weitesten geradeaus vom Werfer entfernt fällt, wird als Antwortrune gewertet. Fallen mehrere Runen gleich weit, werden sie zusammen gedeutet.

Die andere Methode besteht darin, nach intensiver Konzentration auf die Frage die Runensteine mit geschlossenen Augen auf das Tuch zu werfen und danach, ebenfalls mit geschlossenen Augen, eine ungerade Anzahl Runen (eine, drei, fünf oder sieben) zu ziehen und nebeneinander auszulegen. Nun werden diese Runen gedeutet, wobei die Kombination der Steine und ihre Reihenfolge die in Frage stehende Angelegenheit, nach der gefragt wurde, genauer beleuchtet.

Bei beiden Methoden ist zu beachten, daß es von Bedeutung ist, ob die Runen aufrecht oder kopfunter fallen, beziehungsweise so gezogen werden. Aufrechte Runen haben eine überwiegend "positive", umgekehrte Runen eine überwiegend "negative" Bedeutung. Weil nur acht Runen immer gleich aussehen, ob sie aufrecht oder umgekehrt liegen, wird die Deutung der anderen 16 Zeichen davon abhängen, wie sie gezogen, geworfen oder hingelegt wurden.

Auch dies sollte allerdings nicht zu pauschal und klischeehaft verstanden werden. "Positiv" kann "fördernd" bedeuten, es kann aber auch anzeigen, daß bestehende Hindernisse bei entsprechender Arbeit überwunden werden können und besagt also noch lange nicht, daß es überhaupt keine Hindernisse gäbe. Andererseits kann "negativ" zwar "hemmend" bedeuten, es kann aber auch ein Fingerzeig auf Probleme und Hindernisse sein, die sich wohl überwinden lassen, bisher aber noch nicht erkannt oder richtig eingeschätzt wurden.

Befragt man die Runen für einen anderen, so sollte entweder der Fragende selbst die Runen ziehen oder werfen, oder man konzentriert sich mit ihm gemeinsam auf sein Anliegen und tut es für ihn. Letzteres wird vor allem von Runenmagiern vorgezogen, die ihre Runen niemals von einem anderen Menschen berühren lassen, nachdem sie erst einmal geweiht wurden. Andere mögen dies lockerer sehen.